Die Brill

Die, wo kä Brill brauche,
die habbe’s gut,
weil se kä brauche,
un sehe doch alles.

Die, wo immer e Brill brauche,
die habbe’s auch gut,
weil se se uffhabbe,
un habbe sie immer bei sich.

Die, wo manchmal e Brill brauche,
die habbe’s erst gut,
weil se, wann’s um was geht,
nix gesehe habbe.

Aus: Besser als wie nix, Gedichte, Mainz, 1982

Ingeborg Katharina Reitz, geborene Sbresny, wuchs in der Mainzer Neustadt auf. Die Kindheit war maßgeblich geprägt durch die NS-Zeit und damit verbunden den Krieg, die Bombenangriffe, die Zerstörung von Mainz. Die Wirren des Kriegsendes verhinderten, dass sie Abitur machte. Trotzdem erfüllte sie sich den Wunsch und hörte mehrere Semester lang Literaturvorlesungen an der Universität Mainz, indem sie einen blinden Studenten betreute. Von 1949 bis 1957 arbeitete sie beim Musikverlag B. Schott's Söhne Mainz. Sie heiratete 1953 und schrieb von diesem Zeitpunkt an unter dem Künstlernamen „Inge Reitz-Sbresny“.

Mainz war ihr Lebensmittelpunkt. Ab 1972 wählte sie den Hunsrück zunehmend als zweite Wahlheimat.

Sie starb am 28. September 2011 in Mainz. Grab: Mainzer Hauptfriedhof